Solidarität mit der Pfisterstraße

Wer vom Miethai gejagt wird, der leidet oft stumm. Zum Glück aber nicht immer, und so haben sich BewohnerInnen des Hauses Pfisterstraße 27 ans Sozialforum gewandt, da sie der Hausbesitzer drangsaliert mit dem Ziel, sie loszuwerden. Zur Unterstützung haben wir am 29.9. in der Fußgängerzone demonstriert.  Die Resonanz bei den Passanten war durchgehend gut. In einzelnen Gesprächen konnte man dann auch von anderen Schicksalen erfahren, denn leider ist die Pfisterstraße kein Einzelfall, ganz im Gegenteil.

Für die MieterInnen ist das ganze leider noch nicht ausgestanden. An ihrem Schicksal kann man sehr gut erkennen, dass Grundbedürfnisse wie Wohnen nicht dem Markt überlassen werden dürfen. Dem Sozialdarwinismus des Marktes fallen zuallerst die Schwächsten zum Opfer, so weiß diese Familie mit fünf Kindern vielleicht bald nicht mehr, wo sie wohnen soll. Hier ist auch die Stadt gefordert: Die Linke hat bereits einen ANTRAG zur Zweckentfremdungssatzung in den Stadtrat eingebracht. Er soll verhindern, dass Wohnraum leersteht und wird in der Stadtratssitzung am 25.10. besprochen. Und natürlich kämpfen wir weiter!

Auf der Demo sprachen Uli Schönweiß von der Linken (Rede zum Nachlesen HIER), Dagmar Svoboda von den Grünen und Stephan Stadlbauer vom Sozialforum.

Unser Flugblatt

Solidarität mit den Mietern und Mieterinnen der Pfisterstr. 27

Am 29.09. ab 17.00 Uhr hält das Sozialforum zur Unterstützung  der Bewohner des Hauses in der Pfisterstr. 27 eine Kundgebung am Drei-Herren-Brunnen in der Fußgängerzone ab. Wir protestieren zusammen mit den MieterInnen gegen Kündigungen oder Androhung von Kündigungen und Räumungsklagen, d.h. gegen einen regelrechten Kündigungsterror durch den Hausbesitzer.

Vorgeschichte

2014 kaufte die Erlanger Immobilienfirma UGIM, vertreten durch Herrn Gert Uebler, das Haus in der Pfisterstr. 27. Noch im gleichen Jahr versuchte Herr Uebler, höhere Mieten –teilweise mehr als das Doppelte – durchzusetzen, kam damit aber nicht durch. Mehrere ursprüngliche MieterInnen haben inzwischen ihr Mietverhältnis beendet. Die verbliebenen MieterInnen werden mit Kündigungen und Räumungsklagen bedroht. Als Kündigungsgründe nennt Gert Uebler angeblich nicht erledigte Hausordnungen oder nicht vollständig gezahlte Mieten. Bei letzteren geht es meist um Streitigkeiten wegen überhöhter  Nebenkosten, für die Gert Uebler die Nachweise häufig schuldig bleibt. Den hanebüchenen Kündigungsgründen fehlt die rechtliche Grundlage. Dennoch setzt Gert Uebler die MieterInnen durch weitere  Kündigungsandrohungen und Kündigungen unentwegt unter Druck. Einige haben sich unter  diesem Psychoterror schon eine neue Wohnung gesucht, was ja Sinn und Zweck des Manövers ist. Angesichts der schwierigen Situation auf dem Wohnungsmarkt ist das für die MieterInnen eine Katastrophe.  Besonders hart trifft es eine Lebensgemeinschaft mit fünf kleinen Kindern, eines davon behindert.

Bei einem Kellerbrand im Juni, dessen Ursache die Polizei bis jetzt noch nicht herausgefunden hat, gab es große Schäden, so wurden  Strom- und Telefonkabel zerstört. Herr Uebler hat die nötigen Reparaturen bis heute noch nicht komplett ausführen lassen, so dass die MieterInnen nach wie vor weder Telefon noch Internet in den Wohnungen haben und auch nicht fernsehen können.

Rendite durch Gentrifizierung

Herr Uebler will offensichtlich alle alten MieterInnen loswerden, um die Wohnungen danach wieder teurer vermieten zu können. Das ist sicherlich auch in Fürth kein Einzelfall, aber nur selten werden derartige Praktiken öffentlich bekannt. Gentrifizierung wird die Vertreibung von Altmietern aus ganzen Straßenzügen genannt, mit dem Ziel der „Aufwertung“ des Viertels. Damit werden beträchtliche Renditen erzielt, durch höhere Mieten oder auch durch den anschließenden Verkauf  der  Häuser, und Herr Uebler ist nicht der einzige, der solche Methoden anwendet.

Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren!

Deswegen wollen einige MieterInnen in der Pfisterstr. 27 nicht kampflos weichen. Mit rechtlicher Beratung vom Mieterverein wollen sie das fragwürdige Vorgehen ihres Vermieters mit Protesten öffentlich machen. Sie fordern Unterstützung und Solidarität, um in ihren Wohnungen bleiben zu können. Wir hoffen, dass dieser Widerstand auch andere Betroffene ermutigt, derartige Praktiken öffentlich zu machen und sich dagegen zu wehren. Das Sozialforum unterstützt den Kampf der MieterInnen. Wir halten es für einen notwendigen Schritt, diese Auseinandersetzung öffentlich zu machen. Wir erwarten, dass die MieterInnen dadurch eine Chance bekommen, in ihren Wohnungen bleiben zu können. Wir fordern die Verantwortlichen der Stadt auf, sich durch den Besuch der Aktion solidarisch zu zeigen. Da der angespannte Wohnungsmarkt  den Hintergrund bildet, vor dem solche Fälle ihre besondere Dramatik entfalten, muss die Stadt auch durch eigene Bauaktivitäten zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt beitragen.

Forderungen an den Vermieter:

Nehmen sie sofort ihre unbegründeten Kündigungen und Kündigungsandrohungen zurück!

Geben sie den aktuellen MieterInnen eine langfristige Perspektive dafür in ihren Wohnungen bleiben zu können!

Erledigen Sie schnellstens alle notwendigen Reparaturen.

Forderungen an die Stadtverantwortlichen:

Wenden Sie sich an den Vermieter und fordern ihn auf, den MieterInnen den Verbleib in ihren Wohnungen zu gewährleisten!

Wenden Sie sich an die bedrängten MieterInnen und versichern ihnen Ihre Unterstützung!

Geben Sie den MieterInnen das Versprechen, dass für sie im Notfall angemessene Wohnungen zur Verfügung stehen. Diese Garantie lässt die MieterInnen befreit von existenziellen Sorgen um ihre Rechte kämpfen!

Tragen Sie durch eigene Bauaktivitäten zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt bei. 

Führen Sie eine  Zweckentfremdungssatzung ein, um zu verhindern, dass Häuser jahrelang leer stehen!

Bitte an die FürtherInnen:

Zeigen Sie den BewohnerInnen der Pfisterstr. 27 Solidarität, besuchen und ermuntern Sie sie!

Kommen Sie am 29.9. um 17 Uhr zum Drei-Herren-Brunnen in der Schwabacher Straße und demonstrieren Sie mit uns!

Wenden Sie sich an Herrn Uebler und äußern Sie Ihr Unverständnis für seine Praktiken!

Gert Uebler

UGIM Immobilien Vermietung

Am Meilwald 25
91054 Erlangen
Telefon: 09131/9352524
vermietung@ugim.de

www.ugim.de

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