Dem Sozialforum ist es gelungen, das brennende Thema „Bezahlbarer Wohnraum für ALLE in Fürth“ mit dieser Podiumsdiskussion in den Vordergrund der gut besuchten Veranstaltung zu rücken. Hans-Gerhard Koch leitete den Abend mit einem sehr berührenden Vortrag ein, in dem er auch auf den Zusammenhang von Rüstungsausgaben und Sozialstaat hinweist:
Liebes Podium, liebes Publikum!
An einem Sonntag im Advent kam Sassan nach dem Gottesdienst freudestrahlend auf mich zu: Ich habe eine Wohnung! Sassan ist 2015 aus dem Iran geflüchtet, hat sich 2016 taufen lassen und 2023 eine Ausbildung als Altenpflegehelfer angeschlossen. Seit 2024 darf er auch im Altenheim arbeiten, und wird dort sehr geschätzt. Leider wohnt er aber immer noch in einer Flüchtlingsunterkunft, weil er einfach keine Wohnung findet. Er bekommt nur Absagen und wird nicht einmal zur Besichtigung eingeladen. Ende November aber doch. Und die Maklerin sagte zu der Frau aus unserer Gemeinde, die Sassan unterstützt: „Sie kenn ich doch! Sie sind doch die Mutter von der Eva, die mit mir im Gymnasium war!“ Deswegen versprach die Maklerin, sich bei den Vermietern für Sassan einzusetzen. Mit Erfolg: er bekam die Wohnung als einer von 20 Bewerbern.
Ich erzähle das, weil es ein Licht auf den Fürther Wohnungsmarkt wirft. Auch hier ist es für Menschen mit niedrigem Einkommen fast unmöglich, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Es geht meist nur mit „Beziehungen“. Sassan kennt inzwischen das Wort „Vitamin B“.
Wohnungen sind zwar in Fürth zum Glück noch nicht so teuer wie in München, aber die Mieten steigen und steigen: von 2011-2024 um 45%. Da halten die Einkommen oft nicht mehr mit, viele Mieter müssen mehr als 40% ihres Einkommens nur für Miete aufwenden. Sozialwohnungen, die inzwischen auch nicht mehr ganz billig sind, gibt es immer weniger. Von 2010-2025 sind es fast 800 weniger geworden, und es stapeln sich im Wohnungsamt über 1000 Anträge auf eine geförderte Wohnung. Mir bekannte Betroffene warten auch schon 9 Monate und länger auf Wohngeld.
So weit, so schlecht.
Das Sozialforum Fürth und die Seebrücke meinen, das kann nicht so bleiben. Wir fordern vom neuen Stadtrat und Oberbürgermeister:
– Wir brauchen eine feste Sozialwohnungsquote von 40% bei Baugenehmigungen und die Reservierung öffentlicher Grundstücke vorrangig für Sozialwohnungen
– Unsere Stadt muss energisch gegen Leerstand und Zweckentfremdung vorgehen
– Endlich muss es eine „Neue Gemeinnützigkeit“ für Baugenossenschaften geben
– Nötig ist ein „Sondervermögen“ nicht für Aufrüstung, sondern für den Wohnungsbau
Denn die Wohnungsmisere drückt die Menschen jetzt und nicht erst in einem möglichen Konfliktfall.
Obzwar nicht alle Rahmenbedingungen in der Hand der Stadt Fürth liegen, muss sie sich auf allen Ebenen dafür einsetzen.
Denn Wohnen ist ein Grundrecht, schreibt die Bayerische Verfassung im Artikel 106:
(1) Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung
(2) Die Förderung des Baus billiger Volkswohnungen ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden.