Archiv des Autors: Fürther Sozialforum

Ostermarsch

Für uns sprach Hans-Gerhard Koch

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitstreitende,

ich bin Hans-Gerhard Koch, Sozialpfarrer im Ruhestand. Ich spreche für das Sozialforum Fürth, bei dem ich seit seiner Gründung dabei bin. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, unsere Stadt ein Stück sozialer zu machen. Das messen wir daran, wie es den Frauen, Männern und Kindern geht, die es beim Arbeiten, Wohnen oder Lernen schwer haben.
Was geht uns als Sozialforum der Ostermarsch an?
Klar: ein Krieg ist das Unsozialste, was es gibt.
Krieg verursacht unermessliches menschliches Leid, hat Folgen für Jahrzehnte
Krieg zerstört unsere schon sowieso bedrohte Erde. Zum Beispiel verursacht er Unmengen Treibhausgas und lässt Wüsten und Ruinen zurück
Krieg verbraucht schon lange vor dem heißen Krieg durch Rüstungs-Billionen die Ressourcen, mit denen wir unser Land und die Menschheit retten könnten.

Das ist einer der Gründe, warum wir uns als Sozialforum jedes Jahr beteiligen.
Seit Monaten wird uns weisgemacht, den „Sozialstaat“ könnten wir uns nicht mehr leisten. Die Arbeitgeberseite, die Reichen in diesem Land und deren politische und mediale Lobby kommen mit immer neuen Einschnitten ins soziale Netz daher. Sie hoffen, dass irgendetwas davon hängen bleibt. Zahnersatz selber zahlen, Familien nicht mehr mitversichern, die ersten Krankheitstage keinen Lohn bekommen und so weiter. Das trifft vor allem Menschen, die gerade so oder auch gar nicht mehr mit ihrem Einkommen hinkommen. Wahr ist auch aber, dass wir uns vor allem die Steuergeschenke für die Reichen und die Rüstungsmilliarden nicht leisten können. Und einen kaputtgesparten Sozialstaat können wir uns erst recht nicht leisten, denn das gefährdet den sozialen Frieden und treibt Leute in den Rechtsextremismus.

Der Frieden, sozial und weltweit ist uns wichtig. Wie einst Willy Brandt gesagt hat: „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ohne den Frieden ist nichts.“ Wir können nicht zusehen, wie die Möchtegern-Könige und ihre Hintermänner den Weltfrieden mit Füßen treten. Die meisten von ihnen brauchen den Krieg, um von ihrer Verstrickung in Korruption, Missbrauch und Demokratieabbau abzulenken. Leider ist Israel da ganz vorn dabei. Jegliche Kritik an der israelischen Kriegspolitik wird aber bei uns sofort als Antisemitismus gebrandmarkt. Dieses falsche Spiel spielen wir nicht mit. Wir unterscheiden nicht zwischen guten und schlechten Bomben, und Menschenverachtung lehnen wir ab, egal von wem sie kommt. Die „Drecksarbeit“, die Israel nach Meinung unseres Bundeskanzlers für uns macht, nennen wir immer noch einen dreckigen, völkerrechtswidrigen Krieg. Den verbietet unser Grundgesetz, und er darf von unserem Land nicht ausgehen, auch nicht von amerikanischen Militärstützpunkten wie Ramstein.

Wir wehren uns auch dagegen, dass unser Land „kriegstüchtig“ und womöglich sogar „sieg-fähig“ werden soll. Natürlich ist das nur militärisch gemeint, nicht etwa im Sinne der sozialen Verteidigung. Die Mittel dafür, für gewaltfreie Konfliktlösung und soziale Entwicklungsprojekte, die sind übrigens im laufenden Bundeshaushaltes massiv gekürzt worden. Wir meinen, dass wir „friedenstüchtig“ werden müssen, nicht sieg-süchtig. Wenn junge Männer und Frauen sollen jetzt systematisch zu potentiellen Soldatinnen und Soldaten erzogen werden und dafür schon mal Fragebogen ausfüllen. Gut, dass viele davon sich mit Schulstreiks dagegen wehren. Es war ja in den letzten Kriegen iauch mmer so, dass alte Männer in sicheren Bunkern junge Männer und Frauen in Kriege geschickt haben. Aus denen sie dann in Särgen oder tief traumatisiert zurückkehrt. Es ist kann ja sein, dass die Weltlage ein Mindestmaß an militärischen Fähigkeiten auch für unser Land erfordert. Aber zu feiern ist da nichts, nur zu bedauern. Es hilft aber auch nichts, sich resigniert zurückzuziehen. Wir müssen laut protestieren und die unterstützen, die Alternativen aufbauen.

Ich bin Sozialpfarrer im Ruhestand, aber das Soziale und der Frieden lassen mich nicht los. Deswegen helfe ich auch immer noch beim Sozialforum mit. Weil ich Pfarrer bin und bleibe, gehören für mich der Karfreitag, das Gedenken an das Leiden und Sterben, die Osternacht mit der Feier der Auferstehung und der Ostermarsch, das Aufstehen für den Frieden zusammen. Diese Auferstehungskirche und das Hiroshima-Denkmal direkt daneben sind ein guter Ort dafür. Ostereier und Osterbrunnen sind schön, und von mir aus auch Ostermärkte. Aber Ostern ist mehr. Vor ein paar Tagen hat mich ein Osteraufruf des Kardinals Battaglia aus Neapel erreicht, der mich sehr bewegt hat. Ich zitiere nur ein paar Sätze, damit ihr versteht, was ich meine. Battaglia schreibt auf dem Hintergrund der Kriege dieses Osterfestes:

„Ihr, ihr Händler des Todes,  geht weiterhin unter diesem Kreuz hindurch, wie es einst die Soldaten taten, die sich die Gewänder der Verurteilten aufteilten.
Nur dass ihr heute nicht um ein Gewand würfelt: Ihr würfelt um ganze Völker.
Ihr setzt auf Grenzen, Ressentiments, Eskalationen, bewaffnete Konflikte.
Und währenddessen nennt ihr Angst Frieden, Herrschaft nennt ihr Ordnung, eine permanente Bedrohung nennt ihr Sicherheit.
Doch es gibt keine Sicherheit, wo der Tod gesät wird.
Es gibt keine Zukunft, wo junge Menschen dazu erzogen werden, misstrauisch zu sein.
Es gibt keine Gerechtigkeit, wenn der Reichtum einiger weniger auf der Trauer vieler beruht.
Und es wird keinen Frieden geben, solange Krieg eine akzeptable Investition bleibt. …
Der Krieg beginnt nicht, wenn die erste Bombe fällt.
Er beginnt viel früher: wenn der Bruder zum Hindernis wird, wenn der Arme irrelevant wird,
wenn Mitgefühl als naiv gilt. ….
Aber die einzige wahre Naivität ist heute der Glaube, dass Krieg rettet.
Der einzige wirkliche Wahnsinn ist zu glauben, wir könnten die Welt weiter in Brand setzen, ohne uns dabei selbst zu verbrennen.
Der einzig mögliche Realismus ist jetzt der Frieden.“

In diesem Sinne: Frohe Ostern, auf zum Ostermarsch und ein friedliches Miteinander für uns alle!

 


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